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Bei meiner Auswahl von Comics in den letzten Wochen habe ich stets versucht die Palette der Beispiele möglich weit zu fächern, von Mainstream-Comics, über franco-belgische Alben und einem experimentellen Comic. Die Anzahl meiner absoluten Favoriten habe ich dagegen gering gehalten, da man sonst zu sehr ins Schwärmen gerät. Doch genau dies möchte ich heute einmal machen, denn Book of Leviathan von Peter Blegvad ist einer der Comics, oder besser Sammlung von Strips, den viel zu wenig Leute kennen und der dringend auf ein Podest gestellt werden muss.
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Das Panel, passend durch die kleine "2" in der oberen linke Ecke als Zweites gekennzeichnet, beschreibt einen recht minimalistischen Raum: Der Hintergrund ist in mattem Grau gehalten und mutiert durch die Präsenz von Gegenstände im Vordergrund zu einer Rückwand. Am linken Rand können wir einen Fernseher inklusive Fernsehtischen erkennen, obwohl als sehr zweidimensional gezeichnet ist. Die leicht glühende Fläche des Apparates machen wir dennoch als Bildschirm aus. Verstärkt wird diese Interpretation durch die Ausrichtung zum Sessel, der die Mitte des Panels einnimmt. Auch er lässt eine dritte Dimension aber nur erahnen.
Die Protagonisten dieser Geschichte sind das Baby Leviathan, das dem Comic freundlicherweise seinen Namen ausgeliehen hat, und eine Hand mit Stift, die eher einem Symbolbild oder einem Terry Gilliam-Prop entspricht. Beide "Figuren" können sprechen und tun dies in recht simpler Art und Weise. Die Sätze als solche sind einfach zu verstehen: "Here he is in profile, half hidden by his chair ..." Worauf Levi fragend antwortet, "What's that smell?" Die Auflösung ist die Fortsetzung des oben begonnenen Satzes: "burning tobacco in his pipe". Der Unterhaltung zu folgen, bedarf keiner großen Mühe, doch über was unterhalten sich die beiden?
Ein genauerer Blick auf den Sessel zeigt mehrere Worte auf dem Stuhl, schwebend. Von oben "Hair, Eye" lesen sich sich bis nach unten zum "Foot". Nimmt man als "Leser" die ganzen Begriffe zusammen, dann ergibt sich aus den schriftlich vermittelten Informationen eine dritte Figur im Raum, die mit einem Drink im Sessel sitzt. Die einleitende Sprechblase eröffnet den Anreiz sich die Worte als Figur vorzustellen und erzählt Levi über den Mann. Doch dieser nimmt nur das Wort "Smoke" auf, fragt aber nach dem "Smell".
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Doch natürlich dreht sich dieses scheinbar simple philosophische Gespräch noch eine Runde weiter. Denn wie Scott McCloud schon ganz richtig festgestellt hat, tasten, hören, schmecken und riechen wir nichts in einem Comic (mit Ausnahme der riechenden Pinky and the Brain-Ausgabe). Diese Eindrücke sind auch nur Worte, die in allen drei Fällen durch grafische Hilfsmittel wie speedlines, Sternchen oder eine helle Hintergrundfarbe gekennzeichnet ist. Levi kann diese Informationen deshalb genauso wenig aufnehmen, wie die restlichen Körperteile des Wortmenschen.
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Peter Blegvads Homepage: The Amateur.
Ein ergänzendes Interview mit Peter Blegvad im Believer Magazine von Franklin Bruno
Abbildung: © Sort of Books/Peter Blegvad
1 Kommentar:
Bei all der Wortspielerei kein Wunder, dass ich in Panel 3 "demon-strating" las und mich fragte, wo der böse Dämon steckt! Im Detail nämlich.
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